3 große Ernährungstrends, vor denen Ernährungsexperte Matthias Riedl warnt, die Ihrer Gesundheit schaden könnten
Berlin/London (02. Feb 2026) – Dr. Matthias Riedl, einer der bekanntesten Ernährungsmediziner Deutschlands, ruft die Öffentlichkeit dazu auf, bei mehreren aktuellen Ernährungstrends innezuhalten, die schnelle Ergebnisse bei Gewichtsverlust, Energie oder Stoffwechsel versprechen. Millionen Menschen wenden sich sozialen Medien, Diäten und Nahrungsergänzungsmitteln zu, die sofortige Vorteile versprechen. Riedl warnt jedoch, dass einige dieser Trends nicht nur wirkungslos sind, sondern langfristig auch gesundheitsschädlich sein können. Seine Botschaft kommt zu einer Zeit, in der Ernährungstrends auf TikTok, Instagram und unzähligen Wellness-Foren dominieren und oft wissenschaftliche Fakten überholen.
Riedl, Internist, Diabetologe und Gründer des Medicum Hamburg, nennt drei Trends, die besondere Vorsicht erfordern: Proteinpulver und angereicherte Produkte, die Fixierung auf Blutzucker-Messungen und sogenannte Glucose-Hacks sowie die populäre Anwendung von Apfelessig und anderen stark vereinfachten „Wundermitteln“ für den Stoffwechsel.
Proteinpulver und verarbeitete proteinreiche Produkte: Nicht immer die Lösung
Eiweißreiche Ernährung hat sich über Jahrzehnte etabliert, und der Markt ist geflutet mit Proteinpulvern, angereicherten Riegeln, Shakes und Snacks, die Muskelaufbau, Fettverbrennung oder Sättigung versprechen. Riedl betont jedoch, dass diese Produkte kritisch betrachtet werden sollten.
Während Protein an sich essenziell ist – es unterstützt Muskeln, Haut, Knochen und Sättigung – erfüllen die industriell hergestellten Pulver und Riegel häufig nicht die Erwartungen. Viele enthalten zusätzliche Süßstoffe, Aromen, Konservierungsmittel und andere Stoffe, die wenig zur Gesundheit beitragen und Verdauungsprobleme oder Stoffwechselstörungen verursachen können. Einige Proteinprodukte führen sogar zu Blähungen und Unwohlsein.
Zudem sieht Riedl die Vermarktung von „magischen Ergebnissen“ durch Proteinprodukte als reine Werbeillusion an. Stattdessen empfiehlt er echte, proteinreiche Lebensmittel, wie mageres Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Nüsse. Die Gesamtproteinaufnahme sollte im Kontext betrachtet werden, anstatt auf konzentrierte Pulver zu setzen.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine ausgewogene Proteinaufnahme über Mahlzeiten hinweg und aus natürlichen Quellen langfristig deutlich gesünder ist als der übermäßige Konsum von verarbeiteten Proteinprodukten.
Hype um den Blutzucker: Glukose-Balancing ist kein Allheilmittel
Ein weiterer stark wachsender Trend, besonders auf Social Media, ist die Fixierung auf Blutzuckerwerte als Schlüssel zu Gewichtsverlust, Stimmung oder Hautgesundheit. Influencer und selbsternannte Wellness-Gurus propagieren „Glukose-Hacks“, die den Blutzucker stabilisieren sollen, etwa durch bestimmte Nahrungsreihenfolgen, Snacks oder Nahrungsergänzungsmittel.
Riedl erkennt an, dass Blutzuckerschwankungen Appetit, Energie und Heißhunger beeinflussen können und für Menschen mit Diabetes von Bedeutung sind. Er warnt jedoch vor vereinfachten Interpretationen der Wissenschaft.
„Es ist das eine zu verstehen, dass Blutzuckerspitzen Hunger und Stimmung beeinflussen, es ist etwas anderes, kontinuierliches Blutzuckermonitoring als universelles Lifestyle-Spielzeug zu sehen, das alle Aspekte der Gesundheit steuert“, erklärt Riedl.
Experten betonen, dass Blutzuckerregulation immer im gesamten Kontext der Ernährung betrachtet werden sollte: Häufige Spitzen können zu Gewichtszunahme, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes führen, doch deren Kontrolle erfordert ganzheitliche Maßnahmen, wie ausgewogene Mahlzeiten, Bewegung und ausreichend Schlaf. Vereinfachte „Glukose-Hacks“ scheitern oft, weil sie diese Grundlagen ignorieren.
Apfelessig und vereinfachte Hausmittel: Mehr Hype als Wissenschaft
Besonders populär ist derzeit die Vorstellung, dass ein täglicher Apfelessig-Drink am Morgen den Bauch flacher macht, entgiftet oder den Blutzucker stabilisiert. Influencer versprechen zudem eine bessere Verdauung, schönere Haut und einen gesteigerten Stoffwechsel.
Riedl bezeichnet diese Denkweise als stark überbewerteten Shortcut. Apfelessig enthält zwar Essigsäure, die die Verdauung leicht unterstützen kann, jedoch ist die klinische Evidenz für deutliche gesundheitliche Vorteile beim Menschen schwach und inkonsistent. Studien zeigen allenfalls geringe Effekte auf den postprandialen Blutzucker, nicht genug, um extreme Mengen oder den Verzicht auf ausgewogene Ernährung zu rechtfertigen.
Zu viel Essig kann außerdem Magen und Zahnemaille schädigen. Riedl empfiehlt, Apfelessig nur in geringen Mengen als Würzmittel zu nutzen, nicht als Wundermittel.
Warum diese Trends beliebt sind und kritisches Denken wichtig ist
Riedl beobachtet, dass viele Trends nicht wegen ihrer Wirksamkeit, sondern wegen der vermeintlich einfachen Lösung komplexer Probleme populär werden. In einer Welt voller widersprüchlicher Ernährungstipps suchen Menschen nach schnellen, unkomplizierten Antworten.
„Die Menschen wollen Sicherheit darüber, was sie essen sollen, und sie wollen diese Sicherheit in einem Produkt oder Trick, den sie kaufen können“, sagt er. Riedl setzt stattdessen auf evidenzbasierte Ernährung: natürliche, unverarbeitete Lebensmittel, ausgewogene Makronährstoffe und nachhaltige Essgewohnheiten.
Experten betonen außerdem, dass personalisierte Beratung von Fachleuten entscheidend ist, besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht oder Stoffwechselproblemen.
Ausgewogene Ernährung statt Trends: Riedls praktische Empfehlungen
Riedls praktische Tipps lauten:
- Bevorzugen Sie natürliche Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte, Fisch und mageres Fleisch, statt verarbeiteter Pulver.
- Betrachten Sie Blutzucker als Teil der Gesamtgesundheit, nicht als Gadget-Spielzeug.
- Nutzen Sie Apfelessig und ähnliche Hausmittel maßvoll – sie sind Geschmackshelfer, keine Heilmittel.
- Setzen Sie auf ausgewogene Mahlzeiten, hochwertige Kohlenhydrate, viel Gemüse und bewusstes Essen, das langfristig nachweislich gesund ist.
Riedls Botschaft: „Ernährung ist kraftvoll, aber nicht magisch. Wahre Veränderungen entstehen durch langfristige, evidenzbasierte Gewohnheiten.