Biotech-Strategien im Fokus: Alnylam und Amneal präsentieren Zukunftspläne auf der J.P. Morgan Konferenz

Die J.P. Morgan Healthcare Conference gilt traditionell als richtungsweisendes Ereignis für die Pharma- und Biotech-Branche. In diesem Jahr zogen unter anderem Alnylam Pharmaceuticals und Amneal Pharmaceuticals die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich. Während Alnylam seine langfristige „Alnylam 2030“-Strategie und neue Umsatzziele vorstellte, nutzte Amneal die Bühne, um seinen Wandel hin zu komplexeren und margenstärkeren Produkten zu unterstreichen. Beide Unternehmen stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, bieten aber differenzierte Perspektiven für Anleger.

Alnylam: Volatilität und Bewertungsfragen

Für Alnylam Pharmaceuticals kommt der Auftritt nach einer durchaus turbulenten Marktphase. Zwar können sich Aktionäre auf Jahressicht über eine Gesamrendite von knapp 54 Prozent freuen, doch kurzfristig musste die Aktie Federn lassen: In den vergangenen 90 Tagen verzeichnete das Papier einen Rückgang von über 21 Prozent. In diesem Umfeld präsentierte das Management Updates zu seinen Transthyretin-Produkten (TTR) sowie eine Umsatzprognose für 2026.

Die zentrale Frage für Marktbeobachter ist nun, ob der aktuelle Kurs von rund 370 US-Dollar eine günstige Einstiegsgelegenheit darstellt oder ob das künftige Wachstum bereits eingepreist ist. Analysten sehen durchaus Potenzial. Der Konsens für das Kursziel liegt bei etwa 426 US-Dollar, wobei die Spanne der Erwartungen weit auseinandergeht – von pessimistischen 236 US-Dollar bis zu optimistischen 583 US-Dollar. Viele Modelle deuten auf eine Unterbewertung von rund 25 Prozent hin, basierend auf der Annahme, dass die RNAi-Plattform des Unternehmens erfolgreich skaliert und die Gewinne deutlich anziehen.

Wachstumsfantasie trifft auf Realität

Trotz der optimistischen Fair-Value-Modelle mahnt ein Blick auf die fundamentalen Kennzahlen zur Vorsicht. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (K/U) von Alnylam liegt derzeit bei 15,2. Damit ist die Aktie nicht nur teurer als der Durchschnitt der US-Biotechs (12,5), sondern liegt auch deutlich über dem Vergleichswert der direkten Konkurrenz (8,8). Investoren müssen abwägen, ob sie bereit sind, diesen Aufschlag für die erwartete Exekution der Unternehmensstrategie zu zahlen, oder ob das Risiko einer Überbewertung überwiegt.

Amneal: Weg vom Preiskampf bei Standardgenerika

Einen gänzlich anderen strategischen Ansatz verfolgt Amneal Pharmaceuticals. Co-CEO Chirag Patel skizzierte auf der Konferenz den anhaltenden Wandel des Unternehmens. Weg vom reinen Massengeschäft mit Einzelhandelsgenerika, hin zu sogenannten „erschwinglichen Medikamenten“ mit höherer Wertschöpfung. Patel beschrieb das Geschäft mit Standard-Tabletten, das um 2017 durch eine Flut von FDA-Zulassungen und eine Konzentration auf Käuferseite extrem wettbewerbsintensiv wurde, als ein „Race to the bottom“.

Als Konsequenz hat Amneal sein Engagement in diesem Bereich reduziert; Standard-Oralia machen nur noch etwa 25 Prozent des Umsatzes aus. Der Fokus liegt stattdessen auf komplexen Generika, Injektologika, Biosimilars und der Neurologie-Sparte. Geografisch konzentriert sich das Unternehmen dabei fast ausschließlich auf die USA, wo rund 98 Prozent der Umsätze erwirtschaftet werden.

Hoffnungsträger Crexont und finanzielle Disziplin

Besonderes Augenmerk lag auf dem Parkinson-Medikament Crexont. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr mit einem Marktanteil von 3,2 Prozent und rund 22.000 erreichten Patienten, plant Amneal, den Umsatz in diesem Jahr auf über 120 Millionen US-Dollar mehr als zu verdoppeln. Langfristig werden Spitzenumsätze zwischen 300 und 500 Millionen US-Dollar sowie ein Marktanteil von 5 bis 6 Prozent im Jahr 2026 angepeilt. Unterstützt wird dieser Optimismus durch Phase-4-Daten, die zeigen, dass das Medikament im Vergleich zu sofort freigesetztem Levodopa etwa 3,13 zusätzliche Stunden guter Wirksamkeit („On-Time“) bietet.

Auch finanziell sieht sich Amneal auf Kurs. Das Management betonte, Umsatz und EBITDA in den letzten sechs Jahren verdoppelt zu haben, während der Nettoverschuldungsgrad auf den Faktor 3,7 gesenkt wurde. Für 2026 wird ein EBITDA-Wachstum erwartet, das über dem Umsatzwachstum liegt, begleitet von einer Verbesserung der Bruttomarge um 50 bis 60 Basispunkte und einem zweistelligen Gewinnwachstum je Aktie. Teil dieser Strategie ist auch eine vertikale Integration der Produktion, einschließlich neuer Anlagen für Peptide und Autoinjektoren in Indien.